Vom Bürgergeld zur Führungsposition: Eine Gmünderin erzählt
Eine Gmünderin kämpft sich vom Bürgergeld zur Führungsposition und zeigt, wie es geht. Ihre Geschichte inspiriert und öffnet Augen für gesellschaftliche Themen.
Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als ich in meiner kleinen Wohnung in Schwäbisch Gmünd saß und vor dem Fernseher die Doku-Serie Armes Deutschland sah. Es war eine Mischung aus Faszination und Entsetzen, die mich überkam. Die Geschichten der Menschen, die in dieser Sendung gezeigt wurden, waren oft hart und bedrückend. Ich sah mir ihre Schicksale an, fühlte mit ihnen und dachte: "So möchte ich nicht leben." Doch was mir damals nicht klar war: Jedes dieser Schicksale könnte auch meines sein.
Die Sendung ließ mich nicht los. Ich war zu diesem Zeitpunkt alleinerziehend und kämpfte, um meinen Sohn und mich über Wasser zu halten. Bürgergeld war für mich kein Begriff, den ich mir ausgesucht hatte. Es war die Realität für viele Menschen in meiner Umgebung, für mich. Ich erinnere mich, wie oft ich in der Stadt auf andere Mütter traf, die in ähnlichen Situationen waren. Wir tauschten uns aus, oft mit einem Lächeln auf den Lippen, trotz der schweren Umstände. "Wir schaffen das schon", sagten wir uns.
Aber tief in mir drinnen wuchs der Wunsch, aus dieser Situation auszubrechen. Ich wollte mehr für uns, mehr für mein Kind. Ich wollte nicht nur überleben, sondern leben. So begann ich die ersten Schritte zu planen. Ich erstellte eine Liste von Dingen, die ich erreichen wollte. Ein Job war da ganz oben. Ich hatte schon immer ein Talent für Organisation und Kommunikation, also beschloss ich, mich um eine Ausbildung im Bereich Projektmanagement zu kümmern.
Das war nicht einfach. Ich musste mehrmals zu Ämtern gehen, um die nötigen Bescheinigungen und Unterstützungen zu bekommen. Oft war ich überfordert von den langen Wartezeiten und dem Papierkram. Es war frustrierend, ständig in einer Schleife von Anträgen und Bescheiden gefangen zu sein. Aber ich wollte nicht aufgeben. Ich wollte ein Vorbild für meinen Sohn sein.
Ich dachte daran, wie oft ich in der Vergangenheit gezweifelt hatte. Ob ich es wirklich schaffen könnte, endlich herauszukommen aus dieser Spirale aus Hilfen und Unterstützungen. Ich wollte das Bild der alleinerziehenden Mutter, die auf das Bürgergeld angewiesen ist, hinter mir lassen. Und schließlich fand ich einen Kurs, der mir die nötigen Fähigkeiten vermitteln sollte.
Die ersten Tage waren herausfordernd. Die anderen Teilnehmer waren oft um Jahre älter und hatten mehr Berufserfahrung. Ich fühlte mich wie ein Außenseiter. Doch mit jedem neuen Tag wurde ich sicherer. Ich nahm an Praxisprojekten teil, lernte im Team zu arbeiten und konnte mein Wissen erweitern. Mein Selbstbewusstsein wuchs – und damit mein Glaube, dass ich es schaffen kann.
Nach dem Kurs bewarb ich mich für verschiedene Stellen, oft klopfte ich an Türen, die scheinbar verschlossen waren. Ich erinnere mich an ein Bewerbungsgespräch, das besonders hart war. Ich hatte das Gefühl, dass die Personalerin in mir nur die alleinerziehende Mutter sah. Die, die auf Hilfe angewiesen ist. Ich versuchte, meine Fähigkeiten und meine Motivation zu vermitteln, aber ich merkte, dass ich gegen die Vorurteile ankämpfen musste.
Nach mehreren Absagen und dem Gefühl, am Ende meiner Kräfte zu sein, kam schließlich die Wende. Ein kleines Unternehmen wählte mich aus. Ich kannte weder die Branche noch die Kandidaten, die ebenfalls im Rennen waren, aber ich war einfach ich selbst und gab mein Bestes. Die Freude, als ich die Zusage erhielt, war überwältigend. Ich hatte es geschafft – mein erster Schritt in eine neue Welt.
In den folgenden Jahren lernte ich unglaublich viel. Ich übernahm Verantwortung, führte kleine Projekte und durfte Mitarbeiter anleiten. Das Gefühl, einen Unterschied zu machen und andere zu fördern, war etwas ganz Besonderes. Ich bin nicht nur gewachsen als Mitarbeiterin, sondern auch als Mensch. Der Weg war steinig, voller Unsicherheiten und manchmal auch Rückschläge, aber ich lernte, nicht aufzugeben und weiterzukämpfen.
Heute bin ich in einer Führungsposition und helfe selbst anderen, ihren Weg zu finden. Oft denke ich an die Menschen zurück, die in Armes Deutschland zu sehen waren und ich möchte ihnen zurufen: "Es gibt Hoffnung! Es ist machbar, aus dieser Situation herauszukommen!"
Ich habe einen persönlichen und einen beruflichen Wandel durchlebt, der mich zu der Frau gemacht hat, die ich heute bin. Ich weiß, dass ich nie wieder in die Lage kommen möchte, in der ich einmal war. Und ich hoffe, dass meine Geschichte andere inspiriert, den Mut zu finden, ebenfalls ihre Träume zu verfolgen. Es ist wichtig, sich selbst zu glauben. Wenn ich es schaffen kann, dann kann es jeder schaffen. Man muss nur den ersten Schritt wagen und an sich glauben.
Ich bin stolz darauf, wo ich jetzt stehe. Und ich hoffe, dass ich eines Tages anderen ebenfalls die Hand reichen kann und ihnen den Glauben an ihre eigene Stärke vermitteln kann.
Wenn ich zurückblicke, sehe ich, dass der Weg vom Bürgergeld zur Führungsposition nicht nur ein beruflicher Aufstieg war, sondern auch eine tiefgreifende innere Transformation. Es war nicht einfach, aber die Mühe hat sich gelohnt. Ich wünsche mir, dass viele andere Menschen erkennen, dass sie es auch schaffen können.
Wir leben in einer Welt voller Möglichkeiten, auch wenn es manchmal anders aussieht. Man muss nur den Mut haben, nach ihnen zu greifen.
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